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Humanoide Roboter in der Fabrikhalle: Steiermark plant EU-Vorreiterrolle

08.10.2026


Die Steiermark bringt sich als europäische Testregion für humanoide Roboter in Stellung. Der Automatisierungscluster AT Styria, angesiedelt in der Wirtschaftskammer Steiermark, führt ein internationales Konsortium an, das sich um ein Leitprojekt im EU-Forschungsprogramm Horizon Europe bewirbt. Ziel ist es, KI-gestützte, menschenähnliche Roboter unter realen Industriebedingungen zu erproben und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu den Technologien zu erleichtern. Gelingt der Zuschlag, sollen 18 Millionen Euro an EU-Fördermitteln in den Aufbau der Testregion fließen.

AT-Styria-Vorsitzender Herbert Ritter sieht die humanoide Robotik an einem Wendepunkt: Systeme mit zweibeiniger Fortbewegung und KI-Steuerung treten zunehmend aus der Grundlagenforschung in die industrielle Praxis. Er bezeichnet KI-gestützte beziehungsweise humanoide Robotik als „zentrale Standortfrage“ und verweist auf die bestehende Basis in der Region: Die steirische Automatisierungsbranche vereint nach Clusterangaben mehr als 44.000 Beschäftigte, bis 2030 wird mit rund 10.000 zusätzlichen Jobs gerechnet. Aus den vorhandenen Einzellösungen sollen nun gemeinsame Anwendungen werden, die schneller in den Betrieben ankommen.

Dafür formiert AT Styria ein Bündnis aus Industrie, Technologieanbietern und Forschungseinrichtungen aus der Steiermark, Kärnten, Italien und Bayern. Beteiligt sind unter anderem Joanneum Research, die TU Graz, Magna Steyr, der Grazer Softwareentwickler DCCS sowie der Cybersecurity-Spezialist BrightFlare. Die Partner wollen humanoide Roboter in drei industriellen Pilotprojekten erproben, etwa beim Bedienen von Maschinen, beim Materialtransport oder bei der Qualitätssicherung in der Fertigung. Der oft schwierige Übergang vom spektakulären Prototypen zum verlässlichen „Kollegen“ in der Fabrikhalle soll so unter realen Produktionsbedingungen getestet werden.

Die EU-Ausschreibung für das einzige europaweite Leitprojekt zur industriellen Integration KI-gestützter Robotik öffnet dem Konsortium zufolge Ende November. Die Förderentscheidung wird für den Sommer 2027 erwartet, ein möglicher Projektstart ist für 2028 vorgesehen. Für den Fall, dass der Antrag nicht zum Zug kommt, verweisen Beteiligte wie Joanneum-Research-Geschäftsführer Heinz Mayer auf vorbereitete Alternativinitiativen. Der Hebel über Horizon Europe wäre dennoch deutlich größer: Mit der angestrebten Testregion will sich die Steiermark frühzeitig in einem Feld positionieren, das von Politik und Industrie gleichermaßen als entscheidend für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gesehen wird.